Dialogpredigt Stadtpfarrpropst Mag. Christian Leibnitz und Superintendent Mag. Hermann Miklas

Rundfunkgottesdienst am 22. Jänner 2017 Stadtpfarrkirche zum Hl. Blut in Graz

Leibnitz:  Wir stehen in der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen und ich freue mich, im Dialog mit Dir, lieber Herr Superintendent der evangelischen Kirche in der Steiermark, Hermann Miklas, die Predigt zu halten. Wir erfreuen uns in Graz, in der Steiermark und, wie ich weiß, in ganz Österreich eines sehr positiven ökumenischen Klimas. Das, was die Konfessionen eint und verbindet, stärkt uns zum gemeinsamen Zeugnis für eine Welt, die sich nach Sinn, nach Frieden und einem Miteinander ohne Grenzen,  Mauern und Zäune sehnt.  Das, was uns unterscheidet, möge uns nicht trennen, sondern als Zugabe und Vielfalt gesehen werden.

Miklas: Ja, das sehe ich ganz genau so. Wenn ich mit jungen Leuten zusammen bin, staune ich manchmal, wie sehr sie sich ereifern können über die Vorzüge und Nachteile ihrer verschiedenen Handys. Welche Marke auch immer – für diese jungen Spezialisten liegen in den Detail-Unterschiede ganze Welten! In Wirklichkeit aber sind die wichtigen Funktionen überall die gleichen: Man kann damit telefonieren, SMS´se verschicken, Fotos machen, Termine koordinieren und im Internet surfen… Die verschiedenen Modelle sind gewissermaßen nur Spielarten des einen gemeinsamen „Ur-Modells“ Mobiltelefon. Und in entscheidenden Momenten, wo es um Leben oder Tod geht, da ist nur eines wichtig: Dass ich überhaupt ein Handy habe – welches auch immer – und damit umgehen kann. – So sehe ich das auch mit dem christlichen Glauben. Was uns  verbindet, ist das gemeinsame Ur-Modell, das Jesus Christus uns gegeben hat. Dass sich im Lauf der Jahrhunderte dann verschiedene „Designs“ daraus entwickelt haben, gibt durchaus spannenden Diskussionsstoff unter theologischen Spezialisten.  Für die wirklich wichtigen, die existenziellen Fragen des Lebens (und der Welt) aber, ist es absolut zweitrangig. 

Leibnitz: Im heutigen Evangelium ist von der Berufung der ersten Jünger die Rede, die auch Apostel genannt werden. Die Männer und auch viele Frauen, die so nahe und unmittelbar am Jesusereignis dran waren, sind die ersten Zeugen seiner befreienden Botschaft und seiner Auferstehung.

Miklas: Ja – sie waren die ersten,  die diesen Glauben zunächst mündlich weiter gegeben – und später  dann in den Evangelien, in der Apostelgeschichte und in Briefform  auch schriftlich fest gehalten haben.

Leibnitz: So ist die HL. Schrift also für uns alle das wichtigste Fundament unseres gemeinsamen Glaubens. Sie bildet sozusagen die anschauliche Beschreibung des christlichen „Ur-Modells“, wie Du es genannt hast.

Miklas: Wobei ich es für ausgesprochen interessant halte, dass die einzelnen Aposteln sogar schon im Neuen Testament selbst teilweise recht unterschiedliche Aspekte der Botschaft Jesu herausgehoben haben. Wenn man so will, sind bereits bei Matthäus, Johannes oder Paulus Ansätze zu unterschiedlichen Glaubens-Modellen erkennbar.

Leibnitz: Wir in der katholischen Kirche verehren die Apostel und Evangelisten als Heilige – in Dankbarkeit für ihr Zeugnis. Wir ehren darüber hinaus etwa auch einen Hl. Hieronymus, der die Bibel ins Lateinische übersetzt hat. Und Martin Luther hat ja ebenfalls zur Verbreitung der Hl. Schrift in deutscher Sprache wesentlich beigetragen, was nicht zuletzt durch die neue Technik des Buchdruckes  noch verstärkt wurde. Doch: In der evangelischen Kirche habt ihr es ja nicht so mit den Heiligen!?

Miklas: Hier sind wir nun endgültig im Bereich des „Designs“ gelandet. Apostel und Evangelisten in Dankbarkeit für ihr Zeugnis hoch zu halten, das ist natürlich auch für uns Evangelische selbstverständlich. Ebenso wie wir Luther hoch schätzen für das, was er getan hat, seine Bibelübersetzung dabei in vorderster Reihe. Problematisch wird es für uns höchstens dort, wo Heilige beginnen, eine Art Mittler-Funktion zwischen Gott und Mensch einzunehmen. Der Reformation ist es stets  darum gegangen, den Kern des Evangeliums möglichst klar und deutlich heraus zu arbeiten. Darum ist das evangelische Glaubens-Design meist schlanker, in gewisser Weise sicher auch karger; das katholische hingegen ist insgesamt üppiger und reicher – mit allen Vor-  und Nachteilen, die man für beides ins Treffen führen kann. – Mit dem Beispiel von den Handys vorhin wollte ich allerdings auch deutlich machen: Es ist nicht möglich, rein abstrakt zu glauben (genauso wenig wie ich ein rein abstraktes Handy benutzen kann). Jede noch so individuelle Glaubensäußerung wird letztlich immer irgendeinem konfessionellen Design zuzuordnen sein. Und das ist auch nichts Böses.

Leibnitz: Wenn wir nun wieder zum gemeinsamen Fundament zurückkehren: Neben der Hl. Schrift, auf die wir uns gemeinsam berufen, ist es  vor allem die Taufe, die uns verbindet. Sie wird unter allen christlichen Kirchen anerkannt. Als Getaufte gehören wir zu Christus – und dieser Christus ist, wie Paulus in der heutigen Lesung sagt, nicht zerteilt (teilbar?)

Miklas: Ich denke, das ist ganz entscheidend. Wir wollen und dürfen uns weder selbst auseinander dividieren, noch uns von Anderen auseinander dividieren lassen. Denn Christus wollte, dass alle, die zu Ihm gehören, eins sind – unsere unterschiedlichen Charaktere, Mentalitäten und Zugangsweisen zeigen lediglich den Reichtum und die Vielfalt auf, die in Jesus Christus möglich sind, aber sie stellen die Einheit des Leibes Christi nicht in Frage. Ganz abgesehen davon haben wir heute mehr denn je in unserer Welt auch einen gemeinsamen Auftrag: Den Auftrag, Lichtträger zu sein…

Leibnitz: Ja, darum geht es: Das Licht des Evangeliums auf unsere je eigene Weise leuchten zu lassen und gemeinsam auf Christus hinzuweisen. Er hat das Licht der Hoffnung gebracht. Er erleuchtet  alles Dunkel in und um uns mit seinem Licht, mit seiner Gegenwart – und sagt: Fürchtet euch nicht, ich bin mit euch alle Tage.

Und das ist nicht billige Vertröstung, sondern Zusage und Verheißung. Sie wird wirksam in unser aller Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und im Dienst an den Armen, Kranken, Hoffnungslosen und Verzweifelten.

Ihnen dürfen wir erfahrbar machen, dass in allem Dunkel ein Licht aufstrahlt, das uns Zukunft schenkt.

Amen.                                                                                                                 



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