Im Dienst des christlichen Miteinanders
Anfänge Die Steiermark kann auf eine lange ökumenische Tradition zurückblicken, deren Anfänge in der Zeit Peter Roseggers (1843-1918) liegen. Der steirische Volksschriftsteller, der zeitlebens katholischer Christ mit besonderer Liebe zur "Heilandsmutter" Maria bleibt, dessen Kinder aber evangelisch werden, bekundet große Sympathien für die Evangelische Kirche und unterstützt sie 1905 beim Kirchenbau in Mürzzuschlag. Er zeigt sich auch angetan von der Liturgie der altkatholischen Gemeinde "in unserer lieben deutschen Muttersprache".
Aufbruch zum Miteinander Bald nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), noch im Jahre 1965 bildet sich in Graz aus ökumenisch gesinnten Gesprächskreisen der "Interkonfessionelle Arbeitskreis Ökumene in der Steiermark" (seit 1971 mit offiziellem Statut). Alle damals in der Steiermark wirkenden christlichen Kirchen sind zur Mitarbeit bereit. Es geht darum, vom Nebeneinander zum Miteinandner zu finden, letztlich um die gottgewollte Einheit aller, die an Christus glauben. 1999 konstituiert sich der Arbeitskreis neu als "Ökumenisches Forum der christlichen Kirchen in der Steiermark" (siehe Satzungen!). Das geschieht bewusst im Grazer Landhaus, einem symbolträchtigen Ort, der an den Konflikt zwischen den vorwiegend protestantischen Landständen und dem katholischen Landesfürsten im 16. Jahrhundert erinnert.
Rege Tätigkeit Über die Steiermark hinaus bekannt werden die vom Arbeitskreis bzw. vom Forum veranstalteten "Ökumenischen Wochenenden". An der katholischen Theologischen Fakultät der Universität Graz lehrt von 1970 bis 2007 auch ein orthodoxer Theologe, Grigorios Larentzakis, der mehrmals zum Vorsitzenden des Arbeitskreises bzw. des Forums gewählt wird und bis heute in diesem Gremium mitarbeitet. Als Gastreferent der ersten "Ökumenischen Akademie" im Jänner 1976 spricht Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., zum Thema "Prognosen für die Zukunft des Ökumenismus". 1987 errichtet Bischof Johann Weber die Grazer Sektion von Pro Oriente, die bis heute eng mit dem Ökumenischen Forum zusammenarbeitet.
Graz - Stadt der Ökumene Auf Grund des guten ökumenischen Klimas wird Graz als Austragungsort für die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 gewählt, von der nachhaltige Impulse für die ökumenische Bewegung in Europa ausgehen (Thema: "Versöhnung - Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens"). Der "Platz der Versöhnung" im Grazer Stadtpark erinnert bleibend daran. Im Februar 2004 stellt das Ökumenische Forum im Landhaus in einer festlichen Sitzung den steirischen Landespolitikern das gemeinsame Sozialwort der christlichen Kirchen Österreichs vor.
Ökumene wird bunter Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts gibt es in der Steiermark de facto nur die Römisch-katholische Kirche mit ihrer kleineren Schwester, der Evangelischen Kirche und in Graz je eine kleine Gemeinde der Altkatholischen und der Methodistischen Kirche. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewinnen auch orthodoxe Kirchen zunehmend an Bedeutung. Heute sind die Griechisch-orthodoxe, die Rumänisch-orthodoxe und die Koptisch-orthodoxe Kirche Vollmitglieder des Ökumenischen Forums, die Russisch-orthodoxe und die Serbisch-orthodoxe Kirche haben (derzeit noch) Beobachterstatus wie auch die Armenisch-Apostolische Kirche und die Grazer Baptistengemeinde.
Respekt und Freundschaft Über die Konfessionsgrenzen hinweg, die natürlich respektvoll gewahrt bleiben, hat sich unter den Mitgliedskirchen schon so manche herzliche persönliche Freundschaft entwickelt. Wir denken, dass ein solcher Umgang Modellcharakter haben kann auch für den Umgang von Nationalitäten, Parteien oder Interessengruppen in unserem Land.
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Literatur: Hermann Miklas, Grüne Pflanze in gedeihlichem Klima - Ökumene in der Steiermark, in: Begegnung und Inspiration - 50 Jahre Ökumene in Österreich, herausg. vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich, Verlag Styria 2008, S. 68-74 ISBN 976-3-222-13256-8
Weiterführende Links: Joseph Ratzinger, Prognosen für die Zukunft des Ökumenismus (Vortrag in Graz 1976) 60 Jahre Evangelische Diözese Steiermark (2007) Orthodoxer Theologe Larentzakis nimmt Abschied von Kath.-Theol. Fakultät (2007) Bartholomaios I. besucht Mariazell (2007) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in Graz (Juni 2004) Grazer Ehrendoktorat der kath Theologie für Bartholomaisos I. (2004) Der koptische Papst Schenouda III. in Graz (2004) - Fotos von der koptischen Kirchweihe (2004) "Ökumenisches Forum" konstituiert sich im Grazer Landhaus (1999)
Ökumene in der Steiermark (auf Website der Diözese Graz-Seckau)
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