Ökumenisches Grußwort bei Benefizkonzert in Synagoge
Im Namen des Ökumenischen Forums Steiermark sprach Bischofsvikar Dr. Heinrich Schnuderl ein Grußwort beim Benefizkonzert "Keren Hajessod" am 2. April 2009 in der Israelitischen Kultusgemeinde Graz. Hier das Grußwort im Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, Ihnen die Grüße des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark überbringen zu dürfen.
Dieser Abend soll ein Ausdruck unserer Verbundenheit mit der Israelitischen Kultusgemeinde und mit dem Volk Israel sein.
In der katholischen Liturgie des heutigen Tages der vorösterlichen Fastenzeit haben wir die Verheißung an Abraham gehört: „Durch dich werden alle Völker der Erde Segen empfangen… Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern.“
Auf diese Verheißung berufen sich drei große Religionen: Bei allen Unterschieden verbindet diese Verheißung Juden, Muslime und Christen. Die christlichen Kirchen bekennen sich zu dieser Wurzel.
Unser Kontinent und sein Kulturkreis ist von vielen Einflussgrößen geformt worden: von der griechisch-römischen Antike, dem Judentum, dem Christentum, dem Islam, der Aufklärung und anderen Wirklichkeiten. Die abrahamitischen Religionen haben aus ihren Traditionen wesentliche Werte in unsere Gesellschaft eingebracht.
In diesen Stunden ist – in schwieriger Zeit – ein Weltwirtschaftsgipfel zu Ende gegangen. Niemand hat Patentrezepte parat. Natürlich auch nicht die Religionen. Was wir aber erinnern können ist, dass Wirtschaft immer auf menschliches Leben ausgerichtet sein muss. In einem Ökumenischen Sozialwort haben die christlichen Kirchen unseres Landes dementsprechend formuliert: dass Wirtschaft nur dann auch sachgerecht ist, wenn sie menschen- und gesellschaftsgerecht ist und die Belange zukünftiger Generationen und der Umwelt einbezieht.
Und in einem Kapitel über „Friede – Gabe und Aufgabe“ macht das Ökumenische Sozialwort auf die prophetische Botschaft unserer gemeinsamen heiligen Schriften aufmerksam, die uns verkünden, dass politische Macht ihre Legitimität nicht aus militärischer Stärke (in der Sprache der Psalmen „Rosse und Wagen“), sondern aus dem Maß an verwirklichter Gerechtigkeit erhält.
All das liegt im biblischen Wort „Schalom“. Und das wünsche ich Ihnen, Ihrem Volk, allen Menschen und uns.
02.04.2009 |