Stiller Gedenkmarsch am Sonntag, 28. Juni.

Tiefe Betroffenheit und Trauer bei den VertreterInnen der christlichen Kirchen

Vertreter und Vertreterinnen der christlichen Kirchen der Steiermark und Vertreter anderer Religionen sind tief betroffen von der Amokfahrt am vergangenen Samstag. Als Grazer und Grazerinnen nehmen wir am stillen Gedenken teil. Start ist um 16.30 Uhr am Griesplatz, um 18 Uhr findet die Gedenkfeier am Hauptplatz statt.

Interreligiöse Reden bei der Gedenkveranstaltung 

Wir trauern um die Opfer der Amokfahrt am vergangenen Samstag und beten für sie.
Wir fühlen mit den vielen Verletzten, den Traumatisierten und den Hinterbliebenen und beten für sie.
Wir sind betroffen darüber, wozu ein Mensch fähig sein kann und beten auch für ihn und seine Familie.
Diese Tat hat eine ganze Stadt verletzt. 
Hat eine tiefe Wunde geschlagen. Eine, die noch offen ist und erst heilen muss. 
Wir trauern.
Der Schmerz kann nicht schnell verschwinden, damit er überwunden werden kann.
Das Leiden muss getragen werden, damit es vorübergeht, die Trauer muss durchwandert werden, damit wir daran wachsen.
Viele von uns kennen die Opfer nicht persönlich. Weder die Toten noch die Verletzten. Und doch fühlen wir uns mit ihnen verbunden. Ihr Schicksal macht uns fassungslos und lässt uns weinen. 
Wer von uns kann tatsächlich begreifen, was in den lezten Tagen geschehen ist? 
Hilflos und auch ratlos stehen wir diesen Anschlägen auf das Leben und die Menschlichkeit gegenüber.
Manche hadern bestimmt, weil die Geschehnisse unrecht, unerträglich in ihrem Ausmaß und ihrer Qual scheinen und es auch sind.

Wir, die wir getragen sind von festem Glauben, haben die Zuversicht und Überzeugung, 
dass das Leben nicht mit dem Tod endet. Und doch ist unser eigenes Leben anders geworden. 
Der Tod und mit ihm das Leid sind grob und abrupt in unser Leben eingetreten. 
Da wir trauern, uns ohnmächtig fühlen und so vieles nicht begreifen können, stützt uns die Zuversicht, dass eine höhere Macht uns auffängt.
Wir Vertreter der Religionsgemeinschaft hoffen und glauben, dass du Gott selbst dem, was wir nicht verstehen können noch einen Sinn gibst. 
Möge aus Trauer Hoffnung werden!
Möge aus Rache Barmherzigkeit werden!
Beschütze unser Land vor Rassismus, Gewalt und Feindseligkeit. 
Schenke uns Frieden im Diesseits und im Jenseits!

Möge unser Glaube uns helfen, unseren Schmerz auszuhalten.
Möge Gott uns durch unsere Trauer begleiten und uns Trauernde untereinander verbinden und mit den Menschen,
derer wir gedenken.
Die Zuversicht, dass Gott die Menschen, die ihr Leben lassen mussten, begleitet durch den Tod hindurch, soll die trösten, die ihren Verlust beklagen.
Der Schmerz soll aushaltbar werden, das Gedenken an die Verstorbenen ein liebevolles werden, das irgendwann ohne unsägliche Wut und nagende Fragen auskommt.
Das Leben hier auf Erden soll wieder lebbar werden für uns alle und besonders für jene, die sich das jetzt gar nicht vorstellen können. Wenn uns etwas genommen wird, so ist zunächst viel von uns selbst mit genommen.
Mögen wir uns als Mitmenschen wiederfinden.
Diese Mitmenschlichkeit haben spontan viele Menschen im Umfeld der Opfer gezeigt, als sie hinliefen, anpackten und einfach sich gegenseitig stützen,
diese Mitmenschlichkeit zeigten auch die professionellen Helferinnen und Helfer, die Großartiges seit diesem Samstag geleistet haben. Danke an sie alle, möge Gott sie weiterhin stärken.
Mögen wir zusammenrücken im gemeinsamen Gedenken vereint in Trauer ohne Hass.
Als Gemeinschaft sind wir jetzt aufgerufen, zusammenzustehen, auf die Menschen in umserem Umfeld zuzugehen und dazusein. Weniger Ich und mehr Wir.
Das können wir leisten.
Ganz einfach und so fort und jeden Tag aufs Neue.


R.k. Bischof Dr. Wilhelm Krautwaschl
Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft Ali Kurtgötz
Vorsitzenden des Ökumenischen Forums SI MMag. Hermann Miklas
Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde, Rabbiner Mag. Schlomo Hofmeister, nimmt schweigend am Gedenkakt teil.

 



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