Eintreten für Christen und Christinnen von Mosul!

Die Führungspersönlichkeiten der österreichischen Kirchen haben in einer gemeinsamen Erklärung das Vorgehen der Anhänger des sogenannten „Islamischen Staates“ gegen die Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten in Mosul und anderen irakischen Städten als „Anschlag auf die Grundlagen der Zivilisation und der Menschenrechte“ bezeichnet. Kardinal Christoph Schönborn, der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Superintendent Lothar Pöll, sowie der Präsident der Stiftung „Pro Oriente“, Johann Marte, treten in der gemeinsamen Erklärung für entschlossene Maßnahmen der Staatengemeinschaft ein. Am 8. August soll überall in Österreich ein „Tag des Fastens und der Fürbitte für die irakischen Christen und für deren muslimische Freunde“ stattfinden.

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

„Für die Christen in Österreich sind die Nachrichten aus dem Irak über die Umtriebe der Anhänger des sogenannten ‚Islamischen Staates‘ (IS) in Mosul und den benachbarten Gebieten schockierend und herzzerreißend. Das Vorgehen der IS-Leute gegen die Christen und die Angehörigen anderer religiöser Minderheiten sind ein Anschlag auf die Grundlagen der Zivilisation, der Menschenwürde und der Menschenrechte. Die IS-Leute behaupten, sie würden einen Gottesstaat aufbauen. Tatsächlich stellt all ihr Denken, Reden und Handeln eine verabscheuungswürdige Lästerung des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs dar.
In Mosul wurden die Christen vor die Wahl gestellt, ihren Glauben zu verraten, die herabwürdigende Sondersteuer der ‚Dschizya‘ zu zahlen oder die Stadt zu verlassen. Den Vertriebenen wurde alles genommen, Häuser, Betriebe, Autos, Wertgegenstände, Gelder, sogar die Eheringe. Die ehrwürdige St. Ephrem-Kathedrale der syrisch-orthodoxen Kirche wurde – ebenso wie andere Gotteshäuser – entweiht, das Grab des den Bekennern aller Religionen heiligen Propheten Jona geschändet.
Wir neigen uns in tiefer Ehrfurcht vor dem Glaubenszeugnis der Christen von Mosul, die um der Treue zum gekreuzigten und auferstandenen Christus willen auf alles verzichtet haben. Sie sind die würdigen Erben jener großen mesopotamischen Tradition, die der Welt seit apostolischer Zeit im Land an Euphrat und Tigris unzählige Märtyrer, Theologen, Gelehrte und schlichte Zeugen des Glaubens an den menschgewordenen Sohn Gottes geschenkt hat.
Die Vorgänge im Irak bedeuten nach den Worten des mit Österreich so tief verbundenen chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako eine ‚humanitäre, kulturelle und geschichtliche Katastrophe‘. Das weitgehende Schweigen der Weltöffentlichkeit angesichts des Kreuzwegs der Christen von Mosul – und so vieler anderer oft durch eine zweitausendjährige Tradition geheiligter Stätten – stellt einen Skandal dar.
Die Verantwortlichen der christlichen Kirchen in Österreich laden am Freitag, 8. August, zu einem Tag des Fastens und der Fürbitte für die irakischen Christen und für deren muslimische Freunde ein. Als Zeichen der Verbundenheit wird auch um Spenden für die österreichische ‚Initiative Christlicher Orient‘ (ICO) und ‚Kirche in Not‘ gebeten, damit den völlig mittellosen Christen, die im kurdischen Autonomiegebiet großzügige Aufnahme gefunden haben, auch materiell geholfen werden kann.
An die österreichische Bundesregierung ergeht die Bitte, dass sich Wien auf internationaler Ebene dafür einsetzen möge, dass die USA, die Mitgliedsländer der Europäischen Union und andere einflussreiche Staaten gegen politisch tätige Personen und Wirtschaftsunternehmen, die die Aktivitäten des ‚Islamischen Staates‘ finanziell oder in anderer Weise unterstützen, entsprechende Sanktionen ergreifen.
Ebenso möge die österreichische Bundesregierung in Übereinstimmung mit den Regierungen anderer Mitgliedsländer der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen für zweckdienliche Maßnahmen eintreten, damit die Umtriebe des ‚Islamischen Staates‘ ein Ende finden und auch im Irak der Aufbau eines Staatswesens ermöglicht wird, das auf gleichen Rechten für alle Bürger, unabhängig von ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit, basiert“. 

Quelle: http://www.oekumene.at/site/home/article/1207.html



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