© Foto: LPD Burgenland

Umfassbares Leid durch skrupellose Schlepperbanden - wie im auf der A4 abgestellten LKW. - Foto: LPD Burgenland

Das Grauen vor unserer Haustüre

Mehr als 70 tote Flüchtlinge im Laderaum eines Kühl-LKW. Die christlichen Kirchen der Steiermark reagieren mit einer Stellungnahme zu diesen Ereignissen.

Das Grauen ist vor unserer Haustüre angekommen

Dass fast täglich Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrinken, daran haben wir uns schon gewöhnt. Aber wenn dutzende Menschen auf einem burgenländischen Pannenstreifen tot in einem LKW aufgefunden werden, dann rücken die Ereignisse – äußerlich wie innerlich – doch sehr viel näher. Ein Bild des Grauens – praktisch vor unserer Haustüre.

Auch als Kirchen können wir keine Patentlösungen für die derzeitige Situation anbieten. Sie ist furchtbar und stellt uns alle vor völlig neue Herausforderungen.

Politisch ist ein ganzes Bündel von unterschiedlichen Maßnahmen notwendig, um gegen zu steuern. Etwa

  • Die Errichtung von Erstauffanglagern am Rande der betroffenen Krisengebiete, sodass bereits dort eine Entscheidung über die Asylwürdigkeit getroffen werden kann.
  • Für die, die zu Recht Asyl beantragen, braucht es dann auch legale und geeignete Transportmöglichkeiten; mit auf diese Weise gräbt man den kriminellen Schlepperbanden ein Stück weit das Wasser ab.
  • Europa muss sich schnellstens auf einen gerechten Verteilungsschlüssel einigen.
  • Und innerhalb der europäischen Gesellschaften wird das Bewusstsein Platz greifen müssen, dass wir es hier nicht mit einem vorübergehenden Phänomen zu tun haben, das man einfach nur auszusitzen braucht, bis es sich von selber löst, sondern dass es sich hier um „die“ Herausforderung der kommenden Jahre handelt, die kurz-, mittel- und langfristig seriöse und aktive Strategien erfordert.

Was insbesondere Kirche von ihrem Kernauftrag des Evangeliums her sagen und beitragen kann, ist:

  • Wegzuschauen und den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine Lösung. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter lehrt uns, uns vordringlich jener Aufgaben anzunehmen, die gerade auf unserem Weg liegen, ob sie uns gelegen kommen oder nicht.
  • Schuldzuweisungen („Die sind ja selber schuld“) sind ungerechtfertigt; ein beträchtlicher Teil der Misere in Afrika und im Nahen Osten ist durch westliche Interessen mit verursacht.
  • Alle Versuche, Probleme durch immer dichtere Abschottung zu lösen, haben sich in der Geschichte stets als untaugliche Mittel erwiesen; wer der Bevölkerung die Devise „Schotten dicht“ als Heilmittel verkaufen möchte, arbeitet mit nachweislich unlauteren Mitteln.
  • Menschen bleiben Menschen in jeder nur denkbaren Lebenssituation; als solchen haben wir ihnen auch zu begegnen, dazu gibt es keine Alternative.
  • Darum gilt es, alle verfügbaren Ressourcen zu mobilisieren, um den bei uns Schutz suchenden Menschen bestmögliche Chancen auf eine gelingende Integration  einzuräumen; dabei sind wir als Kirche(n) gefordert, selbst mit gutem Beispiel voran zu gehen.
  • Trotz aller –  berechtigter – Sorge, ob die Aufgabe wirklich gelingen kann, ist eine positive Grundhaltung die beste Voraussetzung; aus vergleichbar schwierigen Situationen hat sich Österreich noch nie durch Jammern herausgearbeitet, sondern stets durch aktives und gemeinsames Anpacken.

Die globalen Probleme in ihrer ganzen Dramatik haben spätestens am Donnerstag gewissermaßen unsere Haustüren erreicht. Damit ist für unsere Gesellschaft wie für jede/n Einzelne/n von uns die Entscheidung endgültig unausweichlich geworden: Vogel-Strauß-Politik („Wir wollen nur unsere Ruhe haben“) – oder mit ganzem Herzen Unterstützung aller konstruktiven Initiativen zur Bildung eines neuen Miteinanders?

SI Hermann Miklas, Vorsitzender des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark 



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